Wassmannsdorf 21. Oktober 2013

Pätz ist nicht Lampedusa – aber…

Einen Tag nach der Informationsveranstaltung des Landkreises zur Einrichtung von Plätzen für 154 Asylbewerber auf den Pätzer TBZ-Gelände (siehe MAZ-Bericht) am 17.10.2013 fragte mich ein alter Bestenseer: „Warum gerade jetzt?“

Ist es das, was als letztes übrig blieb vom „DIE nicht! HIER nicht!“? Leider wohl nicht.

Es war schon immer so, dass Menschen ihre Heimat verließen und sich in für sie fremde Regionen der Welt ansiedelten.

1. Menschen zwingt zum Verlassen der Heimat zunächst Not für Leib und Leben.
2. Eine weitere Motivation war und ist die durch Kriege von Staaten gewollte oder betriebene Umsiedelung. Das gehört auch zur deutschen Geschichte.
3. Sicher gibt es auch Mensch, die als „Glückssucher“ unterwegs sind.

Meine Wahrnehmung ist, dass letztere eine sehr kleine Minderheit sind.

Das Annerkennungsverfahren für Asylbewerber ist in Deutschland durch Gesetz geregelt. Für die Bewerber ist dies oft sehr langwierig – ich kenne einen Mann, der schon 20 Jahre wartet. Viele erhalten keine Anerkennung und werden abgewiesen.

Im Asylbewerberheim in Waßmannsdorf leben ca. 150 Menschen in zwei alten Kasernen der Grenztruppen der DDR unter menschenunwürdigen Verhältnissen. Darunter Kinder, Frauen und alte Menschen aus verschiedenen Krisenregionen der Welt.

Der Landkreis will die Verhältnisse in Waßmannsdorf verbessern – zumal damit zu rechnen ist, dass weiter Menschen nach Deutschland fliehen werden und auch in unserem Kreis untergebracht werden müssen.

Deshalb sollen die Waßmannsdorfer Asylsuchenden in Pätz auf dem Gelände des Technologie- und Bildungszentrum (TBZ) untergebracht werden. Zu DDR-Zeiten war dort der Stab der Grenztruppen der DDR stationiert, der damals für dichte Grenzen mit Beton, Stacheldraht und Kalaschnikow sorgte.

Richtig war, dass die Bestenseer und Pätzer Bürger aus erster Hand vom Landkreis und der Gemeindeverwaltung informiert wurden und ihre Fragen und Bedenken äußern konnten. Und richtig ist auch, dass die Bedingungen in der Gemeinde von Kita-Plätzen bis hin zu Arztterminen von den Bürgern kritisch hinterfragt werden.

Kaum aber kann davon gesprochen werden, dass der Landkreis von Fremden überflutet wird. Per 31.12.2012 lebten 160.314 Menschen im Landkreis Dahme-Spreewald.

Ängste, von einigen, die es gar nicht betrifft, lautstark vor dem TBZ zu schüren, ist indiskutabel. Ebenso ist es mehr als unsachlich, syrischen Männern, die wie Frauen und Kinder vor dem Assad-Regime fliehen, unredliche Motivation zu unterstellen.

Sicher stimmt, dass Asylbewerber nicht schuld an Armut in Deutschland sind. Manche übersatte Menschen sollten einmal darüber nachdenken, dass es uns hier in Deutschland deshalb gut gut, weil andere in der Welt schlecht leben.

Lampedusa ist von Pätz überhaupt nicht weit entfernt.

Vielen Dank an die Vertreter Initiative „PRO Asyl LDS“, die vor dem TBZ in unfreundlicher Atmosphäre für eine freundliche Aufnahme und Integration der Asylbewerber geworben hatten.

Foto: Asylbewerber feiern das Fest der Nationen in Waßmannsdorf am 25.09.2013

KG/10/2013

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