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Jugendweihe in der DDR

von Günter David
 

Entgegen der häufig vorgebrachten Behauptung gab es in der DDR bis 1954 kein bisher belegtes Verbot der Jugendweihen. Im Februar 1950 hatte das Zentralkomitee der SED die Mitwirkung der Partei, der Gewerkschaften und der FDJ an Jugendweihen im Sinne der früheren Freidenkerverbände abgelehnt. Dennoch fanden Jugendweihen statt.

Dass die Jugendweihe danach zum staatssozialistischen Fest avancierte, war im Mai 1953 in Moskau beschlossen worden. Das Politbüro der KPdSU fasste einen Beschluss über „Maßnahmen zur Gesundung der politischen Lage in der DDR“, der auch eine sozialistische Alternative zur Konfirmation vorsah. Das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) beschließt am 14. März 1954 die Einführung der Jugendweihe. Im November 1954 wird der Zentrale Ausschuss für Jugendweihe eingerichtet.

Mit Druck wurde die Jugendweihe neben Konfirmation bzw. Firmung etabliert. Auch konfessionell gebundene Jugendliche sollten (parallel zur Konfirmation/Firmung) an den Jugendweihefeiern teilnehmen. Am 27. März 1955 fand die erste Jugendweihe in Ost-Berlin statt. Die Jugendlichen im Alter von 14 Jahren bzw. am Ende des 8. Schuljahres wurden dabei in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen, danach mit „Sie“ angeredet und erhielten den Personalausweis.

Die Kirchen lehnen die Jugendweihe zunächst kategorisch ab. Weil sie jedoch eng mit dem schulischen Leben verknüpft ist, können sich die Jugendlichen ihr kaum entziehen. Verweigerer müssen mit Nachteilen rechnen. So akzeptierte die Kirche letztendlich, dass Jugendliche in der 8. Klasse die Jugendweihe und wenn Jugendliche und Eltern die Konfirmation zusätzlich wünschten, ein Jahr später – in der 9. Klasse – erhalten konnten.

In den 70er und 80er Jahren hat sich die Jugendweihe als Familienfest etabliert. Regelmäßig nehmen nun ca. 97 Prozent der Jugendlichen, insgesamt etwa 7 Millionen Mädchen und Jungen, die zu diesem Anlass beschenkt werden, an den Feiern teil. Im Mittelpunkt der Jugendweihe in der DDR steht ein öffentliches Gelöbnis. Die Versionen des Gelöbnisses von 1955-1, 1955-2, 1958, 1968 und 1985 zeigen, wie sich die Situation in der DDR verändert.

Letztendlich müssen die Jugendlichen unter anderem versprechen, „als wahre Patrioten die feste Freundschaft mit der Sowjetunion weiter zu vertiefen, den Bruderbund mit den sozialistischen Ländern zu stärken, im Geiste des proletarischen Internationalismus zu kämpfen, den Frieden zu schützen und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen“.

Die Jugendweihe wurde unter der Leitung der Ausschüsse für Jugendweihen mit den Schulen und der Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“ organisiert. Der Jugendweihe gingen Jugendstunden voraus, in denen den Jugendlichen die Geschichte der Arbeiterbewegung, der Kampf der Sowjetunion im 2. Weltkrieg und die Entwicklung des sozialistischen Gesellschaftssystems erläutert wurden. Komplettiert wurde dies durch Betriebsbesichtigungen, Vorträgen über Sexualität und Politik, Tanzstunden oder ähnlichen. Es fanden auch Ausflüge zu Gedenkstätten für Opfer des Faschismus und Besichtigungen von Konzentrationslagern statt.

Zu dem eigentlichen Festakt, der meist in einem größerem Saal oder Theater des Ortes stattfand, waren die Angehörigen eingeladen. Zu Beginn der Feier wurde ein Programm mit Tanz, Gesang und Gedichtvorträgen aufgeführt. Anschließend wurde von einem meist prominenten Gast eine Ansprache gehalten. Sie sollte den Jugendlichen die ihnen von nun an übertragene Verantwortung als vollwertiges Mitglied der sozialistischen Gesellschaft bewusst machen. Nach der Rede wurden die Jugendlichen in kleinen Gruppen auf die Bühne gebeten. Sie legten das Gelöbnis ab, dass sie ihr Leben dem Schutz und der Stärkung des Sozialismus widmen. Junge Pioniere gratulierten und überreichten Blumen.

             

Jeder Jugendliche erhielt außerdem eine Urkunde und ein Buch: Bis 1974 schenkte der Staat noch jedem jungen Erwachsenem das Buch Weltall Erde Mensch, das neben propagandistischen Auslassungen vor allem Allgemeinwissen enthielt. Nach 1974 erhielten alle das rein propagandistische Buch Der Sozialismus – Deine Welt. In den letzten Jahren der DDR wurde das Buch Vom Sinn unseres Lebens überreicht.

Nach dem feierlichen Akt in der Öffentlichkeit wurde meist der Rest des Tages gemeinsam mit den Familien und den Klassenkameradinnen und Klassenkameraden zugebracht.

Beginn 1852      regionale Anfänge